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Zum Werk von Wilken Skurk (Katalog)

von Prof. David Evison, Berlin

Bildhauer haben, genauso wie Architekten, schon immer eine Empfindung der Schwerelosigkeit angestrebt, ein Verlangen, das in einigen Epochen stärker ausgeprägt war als in anderen. Späte griechische, barocke Plastik und gotische Architektur sind klare Beispiele. Der Bildhauer und Architekt der Moderne erhielt die Möglichkeit, Dinge einfach in die Luft zu plazieren, zusammenzusetzen und zu zeichnen, ungeachtet des Gewichts seines Materials. Diese Materialien und Arbeitsweisen sind im allgemeinen neue Erfindungen, die, an der klaren Grenze ihrer Möglichkeiten, sozusagen entkörperte Werke hervorbringen können, wie Skulpturen Naum Gabos oder Jean Nouvels Gebäude. Die moderne Plastik hat sich außerdem von der Konvention des Aufrechtenbefreit, wodurch sie verschiedene und verschiedenartige Formen in einer einzigen Skulptur vereinigen kann, was für bildhafte Plastiken dermaßen schwierig, häufig unmöglich war. Dieses grundlegende und formale Problem, Figuren, Objekte und Handlung zu kombinieren, plazierte die Bildhauerei auf zweitem Rang, hinter der Malerei. Erst seit kurzem besitzt die Bildhauerei das Potential, ihre alte Dominanz in der darstellenden Kunst wiederzugewinnen. Jedem, der die Entwicklungen in der darstellenden Kunst verfolgt, ist klar, daß die Bildhauerei ihr Potential, in den letzten 80 Jahren nur von wenigen demonstriert, nicht realisiert hat. Das Wort sculpture/“Bildhauerei“ hat seine Bedeutung verloren; es ist als Medium mehr ge- und missbraucht worden als jedes andere. Wir haben Photo-Skulpturen gesehen, Klang-Skulpturen, Video-Skulpturen und mehr: es ist ein dehnbares Medium, das sich aufgrund seiner Allgemeinheit und Körperlichkeit auf viele Aktivitäten ausweiten kann. Die Malerei kann nicht auf dieselbe Weise benutzt werden; man kann nicht in einer Galerie auf eine Kiste steigen und sich ein Gemälde nennen. Darum bevorzuge ich das Wort „Plastik“ oder „Statue“, und, obwohl das beliebte Wort classical /ÑKlassischì die Aktivität beschreibt, ist es eine Abwertung, die altmodisch und passé erscheint. Es war der Weg der neuen konstruierten Plastik, gebahnt durch Picasso und Gonzalez, der ihr ihre Vorherrschaft gab als Medium, in welchem die extremste und avantgardistischste Arbeit geleistet werden sollte. Es wurden Dinge produziert, die gar nicht wie Kunst, geschweige denn Bildhauerei, aussahen, ein Beispiel, dass zur großen Kunst von Smith, Jacobsen und Caro (um nur drei zu nennen,) führte. Doch als extremes Aussehen zur Mode wurde, musste man in der Bildhauerei tätig sein. Modische Kunst bedeutet, wie immer, niedrigere Maßstäbe, und hat zu einer etablierten Akademie des Neuen geführt. Der Lärm post-modernen Schaffens war so laut, dass sich Hersteller von Skulpturen damit abfinden mussten, im Hintergrund zu verweilen. Zieht man außerdem die selten gewürdigte Tatsache hinzu, dass abstrakte Plastiken zu verfertigen das schwierigste ist, was man in der darstellenden Kunst versuchen kann, so kann man sich ein Bild des Minengebietes machen, in welches sich ein ehrgeiziger junger Bildhauer wagen muss. Ich glaube fest daran, dass Wilkin Skurk nicht unterzukriegen ist. Seine neuesten Werke übernehmen die moderne Vorliebe der Buchstäblichkeit ( literalness, A.d.Ü.) und der Vergänglichkeit: sie sind extrem schwer, aber erscheinen leicht. Glas hat nicht dieselbe Belastbarkeit wie Stahl, es ist zerbrechlich, schwierig zu verbinden und zu bearbeiten; so ziemlich das Gegenteil von Stahl (oder Holz oder Beton). Aber Skurk vermeidet absichtlich Aufmerksamkeit auf die Realität ihrer Verschiedenheiten zu lenken, die Stahlkomponenten haben eine ähnliche Form wie die Glaskomponenten, so dass wir die Glasmasse im Vergleich zum Volumen des anderen Materials wahrnehmen. Dies wurde nicht durchdacht oder entworfen, sondern durch visuelle Intelligenz erreicht, genauso wie die Proportionen und Beziehungen der Einzelteile zum Ganzen. Dem Anschein nach gleichen Skurks neue Werke vielleicht vielen anderen Skulpturen. Für jene jedoch, die bereit sind, weiter als auf oberflächliche Erscheinungen zu sehen, und die über sensible Einfühlungskraft verfügen, kommt ihre Einzigartigkeit zum Vorschein. Wie die beste heutige neue Kunst enthüllt sich Skurks Kunst schrittweise: sie arbeitet mit Feinsinnigkeit und Nuance, fordert jedoch Größe und Präsenz.

 

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